Text by: Silke Deidl
März 2, 2026

Bildkommunikation steht heute unter anderen Voraussetzungen als noch vor einigen Jahren. Nicht, weil Bilder an Bedeutung gewonnen hätten. Sondern weil sich ihre Herstellung und Verbreitung verändert haben. Inhalte lassen sich schneller erzeugen, verändern und veröffentlichen. Das betrifft Texte ebenso wie Bilder.

Bildkommunikation ist keine rein gestalterische Aufgabe mehr. Sie ist Teil einer übergeordneten Bildstrategie, die Wahrnehmung und Positionierung langfristig prägt.

Ein Fall aus der Entwicklerwelt verdeutlicht diese Verschiebung. Der KI-Agent „MJ Rathbun“ sorgte auf der Plattform GitHub für Aufmerksamkeit, nachdem er nach einer abgelehnten Code-Änderung begann, einen Entwickler öffentlich anzugreifen. Darüber berichteten unter anderem Heise Online und The Decoder. Im konkreten Fall ging es um Texte. Doch die technischen Möglichkeiten reichen weiter.

Wenn Systeme eigenständig reagieren

Der Vorfall zeigt, wie digitale Systeme auf einen Auslöser reagieren können, ohne dass ein Mensch jeden Schritt steuert. Eine Zurückweisung genügte. Danach folgte eine automatisierte Reaktion, die recherchierte, argumentierte und veröffentlichte.

Für Unternehmen ist das weniger eine technische Besonderheit als ein Hinweis auf veränderte Kommunikationsbedingungen. Prozesse können sich verselbstständigen. Inhalte entstehen schneller. Reaktionen erfolgen unmittelbarer.

Überträgt man dieses Prinzip auf die Bildkommunikation, wird die Tragweite sichtbar. KI-Systeme sind in der Lage, real wirkende Szenen zu erzeugen. Personen können in Situationen erscheinen, die nie stattgefunden haben. Videos lassen sich synthetisch erstellen und glaubwürdig darstellen.

Was früher aufwendig war, ist heute in großer Menge möglich.

Bilder sind Teil der Unternehmensführung

Im Alltag wird Bildkommunikation häufig pragmatisch behandelt. Neue Website. Recruiting-Kampagne. Produktdarstellung. Bilder werden produziert, um einen konkreten Bedarf zu erfüllen.

Doch Bilder wirken langfristig.

Sie prägen, wie ein Unternehmen wahrgenommen wird.
Sie zeigen Haltung.
Sie zeigen, wie nah Darstellung und Realität beieinanderliegen.

Wenn generierte Inhalte ohne klare Entscheidung eingesetzt werden, kann eine Lücke entstehen. Zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was tatsächlich gelebt wird. Diese Lücke fällt auf. Bewerber, Kunden und Partner gleichen Bild und Erfahrung miteinander ab.

Hier beginnt Verantwortung.

Geschwindigkeit verändert die Rahmenbedingungen

Früher bedeutete Bildmanipulation einen deutlichen Aufwand. Heute genügt eine kurze Eingabe. Inhalte können nicht nur erzeugt, sondern auch gezielt verbreitet werden.

Der dokumentierte GitHub-Fall zeigt diese Logik im Textbereich. Für visuelle Inhalte gilt technisch dasselbe.

Für Unternehmen heißt das: Risiken entstehen nicht ausschließlich durch eigenes Handeln. Bilder können auch außerhalb der Organisation erzeugt und verbreitet werden. Schnell und in großer Menge.

Umso wichtiger ist eine klare innere Struktur.

Klare Leitlinien schaffen Orientierung

In der Praxis zeigt sich, dass Unsicherheit vor allem dort entsteht, wo keine definierte Bildlinie existiert. Ohne gemeinsame Grundlage wird jede Produktion neu verhandelt.

Eine durchdachte Bildstrategie beantwortet einfache Fragen:

Wen zeigen wir?
In welchem Umfeld?
Mit welcher Haltung?
In welcher Bildsprache?

Diese Klarheit schafft Wiedererkennung. Sie erleichtert auch die Einordnung, wenn fremde oder manipulierte Inhalte auftauchen. Wer seine visuelle Identität kennt, kann Abweichungen schneller erkennen.

Verantwortung bedeutet hier nicht Kontrolle über jede technische Entwicklung. Sondern Klarheit im eigenen Handeln.

Warum das Thema an Bedeutung gewinnt

Studien der vergangenen Jahre zeigen eine wachsende Sensibilität im Umgang mit digitalen Inhalten.

59 % der Befragten geben an, dass es schwieriger geworden ist, echte von KI-generierten Inhalten zu unterscheiden.
56 % sagen, ihr Vertrauen in Online-Bilder sei gesunken.
68 % erwarten von Unternehmen Transparenz beim Einsatz von KI.
71 % äußern Sorge über manipulierte Bilder und Videos.

Diese Zahlen beschreiben keine Panik. Sie zeigen eine veränderte Wahrnehmung. Vertrauen wird bewusster hinterfragt.

Für Unternehmen bedeutet das: Bildkommunikation wirkt nicht mehr selbstverständlich glaubwürdig. Sie muss nachvollziehbar sein.

Vertrauen in Online-Bilder

Was bedeutet das für deinen Alltag?

Bildkommunikation ist Teil deiner unternehmerischen Positionierung. Sie beeinflusst, wie professionell, klar und verlässlich dein Unternehmen wahrgenommen wird.

Prüfe, welche Rolle Bilder in deiner Organisation spielen. Sind sie reine Illustration. Oder bewusst eingesetztes Instrument?

Definiere klare Regeln für den Umgang mit KI-generierten Inhalten. Lege Zuständigkeiten fest. Entwickle eine konsistente Bildsprache, die zu eurer tatsächlichen Kultur passt.

Der Fall „MJ Rathbun“ zeigt nicht, dass Technik grundsätzlich problematisch ist. Er zeigt, dass Systeme Wirkung entfalten können, ohne dass Verantwortung unmittelbar sichtbar ist.

Die entscheidende Frage bleibt daher:

Wer übernimmt Verantwortung für eure Bildkommunikation?


Quellen

Berichte zum Fall „MJ Rathbun“ unter anderem bei:

Heise Online: Bericht über den GitHub-Vorfall rund um einen KI-Agenten

The Decoder: Analyse zum autonomen KI-Agenten „MJ Rathbun“ auf GitHub

Wenn ihr eure Bildkommunikation im KI Zeitalter bewusst und klar gestalten wollt, sprecht uns gerne an:
https://www.deidlbehnke.com

Reduktion in der Bildgestaltung: Warum weniger Elemente Bilder klarer machen

Fotoproduktion planen: Warum Budget und Bildidee vor dem Shooting entschieden werden

Bildstrategie

Bildgestaltung

Bilder im Marketing

Produktion und Rechtliches